Texte zu Corona

 

Abschied von Mutter Natur.

Unfrisierte Gedanken zu Corona - Teil 1

Convid-19 alias Corona hat unsere Welt fest im Griff. Ein unscheinbares Virus stellt vieles in Frage, was wir für ganz selbstverständlich hielten. Und entzieht sich selbst zugleich allen Fragen nach einem Warum? und Wozu?

Natürlich gibt es Ursachenketten. Einerlei, ob das Virus auf einem Markt in der chinesischen Stadt Wuhan von einem Wildtier auf den Menschen übersprang – so die offizielle Story – oder nicht doch einem der dortigen Hochsicherheitslabors entwich: Corona hat keinen diese Ursachenketten übergreifenden tieferen ‚Grund‘. Es ist weder eine Strafe Gottes für begangene Sünden, noch ereilt uns hier die Rache der Natur für unsere ‚Umweltsünden‘. Und, nach vorn: Corona hat auch keinen ‚Sinn‘. Was nützt es den Opfern, wenn das gesellschaftliche Gemeinschaftsgefühl durch die Pandemie wieder stärker wird?

Kein Grund, ohne Sinn und Zweck.

Dennoch lässt sich ‚in Zeiten von Corona‘ wohl das eine oder andere lernen. Eine Lektion: der Abschied von ‚Mutter Natur‘.

Unsere Erde, ein harmonisches Naturganzes, in das der Mensch behütet eingebettet sei. Ein Paradies, das wunderbar intakt sein könnte, wäre da nicht der große Störfaktor Mensch, der mit seinen Eingriffen das natürliche Gleichgewicht zerstört. Einen wissenschaftlichen Anstrich bekam diese romantische Sicht auf ‚Mutter Natur‘ mit der Mitte der 1960er Jahre formulierten sog. ‚Gaia-Hypothese‘ (Lynn Margulis; James Lovelock).

Doch ist die Natur wirklich jenes harmonische Gefüge? Oder nicht vielmehr eine lebens-gefährliche Konfliktzone, in der Leben und Zerstörung miteinander ringen? Und wir als Menschen mitten drin?

Auch Corona ist ‚Bio‘, ist Leben. Auch jene kleinen Wesen, die wir Viren und Bakterien nennen, sind Geschöpfe Gottes. Auch wenn sie krank machen und töten können. Gottes ‚gute Schöpfung‘ ist, erinnert schon die Bibel, gefährdet durch einbrechendes Chaos, das nicht immer nur im Menschen seine Ursache hat. Die Vitalität der Schöpfung entfaltet sich in einer unbändigen Freiheit, die sich auch in lebenszerstörerischen Mutationen der Viren manifestiert.

Lektion in Zeiten von Corona: Nein, die Natur ist nicht die gütige Urmutter, die uns sanft an ihren Busen drückt. Die Natur ist nicht unbedingt unser kuscheliger Freund ist, dem allenfalls wir Gewalt antun. Sie ist auch zwiespältig, ist abgründig, chaotisch und bedrohlich. Oder, etwas handfester mit den (allzu?) deftigen Worten, die ich dieser Tage las: „Manchmal ist die Natur nur das Arschloch, das einfach das Licht ausmacht, während wir ohne Toilettenpapier auf dem Klo sitzen.“

- Pfr. Dr. Ulrich Wiedenroth -

Bei Interesse: Eine längere Fassung dieses Textes finden Sie   hier.

Lob der Technik.

Unfrisierte Gedanken zu Corona – Teil 2

Der Mensch sei „Herr und Besitzer der Natur“. Als der französische Philosoph René Descartes diesen Satz schrieb, 1637, mitten im 30jährigen Krieg, da war in der Lebenswirklichkeit von dieser herrscherlichen Rolle noch wenig zu sehen. Dennoch: der steile Satz markiert den Startschuss zu einem grandiosen Siegeszug von Wissenschaft und Technik.

War der Erfolg zu erfolgreich? Die Medaille dieser glänzenden Fortschrittsgeschichte hat eine trübe Kehrseite. Der menschliche Zugriff auf die Welt zog und zieht Spuren der Zerstörung und Verwüstung nach sich. Der ‚Herr und Besitzer‘ kam ins Nachdenken und Umdenken. ‚Bewahrer und Hüter der Schöpfung‘ wollte er nun werden, ein Teil des großen Ganzen. Technik und Wissenschaft gerieten ins Zwielicht oder verfielen gar der Verachtung.

Haben wir das Kind mit dem Bade ausgegossen? Wir sind ‚Leben inmitten von Leben, das leben will‘ (A. Schweitzer). Um zu bestehen in Ringen des Lebens, haben wir nur Wissenschaft und Technik als Überlebensinstrumente. Zur Erinnerung schickt uns nun Corona ein unfreundliches „Hallo“; und fast scheint es, als habe das Virus Humor: Den LKW, der Nudeln, Seife und Toilettenpapier in die Supermärkte karrt, den schiebt der suspekt gewordene Dieselmotor zuverlässig über die Autobahn. Dieselkraft schnurrt auch im Krankenwagen, der einen Kollabierten in die Notaufnahme der Klinik bringt, wo womöglich mit Braunkohle produzierter Strom die Beatmungsmaschinen am Laufen hält. Eine vor dem ‚Feinstaub‘ zitternde Gesellschaft wird nun vom noch feineren „Staub“ viraler DNA tatsächlich tödlich bedroht. Und sollte uns eines Tages ein Impfstoff gegen Corona aus dieser Angst befreien, wird er kommen aus den Laboren der hierzulande beargwöhnten Pharmazeutik und Gentechnologie.

Lektion in Zeiten von Corona: Nein, ‚ziemlich beste Freunde‘ sind wir nicht, die Natur und wir Menschen. Wenn’s hart auf hart kommt, müssen wir schon für uns selbst sorgen. Als pompöse ‚Herren und Besitzer‘ brauchen wir uns nicht aufzuplustern. Aber schätzen wir nicht gering, was wir – die Menschheit – uns über Jahrhunderte mühsam und glanzvoll erkämpft haben, - trotz aller 'Schatten' ...

- Pfr. Dr. Ulrich Wiedenroth –

Bei Interesse: Eine längere Fassung dieses Textes finden Sie  hier.